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Rede anlässlich der Neueinweihung der Radionuklidstation RN 33 Schauinsland

Rede


Rede von Botschafter Gerhard Küntzle

Ständiger Vertreter Deutschlands

bei den Vereinten Nationen in Wien


Neueinweihung der

Radionuklidstation RN33 Auf dem Schauinsland

 

 

 

Freiburg

25. Oktober 2018

 


Sehr geehrte Frau Präsidentin Paulini,

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin Schwarzelühr-Sutter,

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

Der Umfassende Atomwaffenteststoppvertrag von 1996 – englisch Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty, kurz CTBT – ist ein schillerndes Wesen. Er vereinigt in sich das größte Versagen der multilateralen Rüstungskontrolle, und zu gleich ihren größten Triumpf.


Das größte Versagen, denn die Hürde für sein Inkrafttreten wurde so hoch gelegt, dass dieses freudige Ereignis weiterhin in der unabsehbar fernen Zukunft liegt. Die Bundesregierung wird dennoch nicht müde, bei den verbleibenden acht Staaten für Zeichnung und Ratifizierung zu werben – zuletzt im September bei einem von uns mit ausgerichteten Ministertreffen in New York.

Aber auch zugleich der größte Triumpf, denn die Verbotsnorm des CTBT ist stark – stärker als bei manch anderen Rüstungskontrollverträgen, die bereits in Kraft sind. In Zeiten, wo die Fragilität des Planeten und der globalen Sicherheit immer offensichtlicher wird, erscheinen Atomtests zunehmend als Relikt einer rücksichtlosen, ja barbarischen Vergangenheit.

Alle 184 Signatarstaaten des CTBT halten sich an seine Verbotsnorm. Und es ist kein Zufall, dass lediglich der Pariah-Staat par excellence in diesem Jahrhundert noch Atomtests durchgeführt hat: Nordkorea.

Diese Norm ist auch deshalb so stark, weil schon jetzt sichergestellt ist, dass jeglicher Atomtest weltweit entdeckt wird. Die Station RN33 Auf dem Schauinsland ist ein wichtiger Bestandteil des globalen Netzwerks der CTBTO, des International Monitoring System, auf den wir stolz sein können. Zumal sie als eine von wenigen Stationen neben radioaktiven Partikeln auch das radioaktive Edelgas Xenon messen kann – den „heiligen Gral“ der Atomtestdetektion. Ebenso stolz können wir sein auch auf die von der BGR im Bayerischen Wald und in der Antarktis betrieben Stationen.

Dank dieses Netzwerks konnte sich die Weltgemeinschaft von jedem der sechs nordkoreanischen Atomtests ein eigenes Bild machen. Als Nebeneffekt können auch andere Ereignisse wie Emissionen von Atomunfällen erfasst werden – ein Vertuschen oder Herunterspielen wie nach dem Unfall von Tschernobyl ist heute nicht mehr möglich.

Das System hilft darüber hinaus bei Frühwarnungssystemen für Naturkatastrophen: für die Tsunamiwarnung werden seine Daten bereits seit 2005 eingesetzt; aktuell wird untersucht, wie die Daten genutzt werden können, um den Flugverkehr vor Vulkanasche zu warnen.


Mein Dank gilt in allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von BfS und BGR, die den kontinuierlichen Betrieb der deutschen Stationen gewährleisten. Mit annährend 100% Datenverfügbarkeit an den Stationen setzen wir in der CTBTO Standards.


Danken möchte ich auch den Wissenschaftlern aus BfS und BGR, die uns in den Gremien der CTBTO in Wien durch ihre Expertise unermüdlich helfen, den Einfluss solcher Staaten einzuhegen, die das Verifikationssystem und damit den CTBT insgesamt zu schwächen suchen.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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